She did it! Finish beim 4. HMDS

Vergangene Woche startete Melanie Ragot beim 4. Half Marathon des Sables HMDS auf Fuerteventura und wird 17. Frau (von 157) und 4. in ihrer Alterklasse 40-49 (von 69).

Der Half Marathon des Sables (HMDS) fand vom 27.-30.09.2021 auf Fuerteventura statt. 830 Teilnehmer (Hälfte Frauen!), darunter 15 Deutsche stellten sich dem viertägigen Ultra-Abenteuer. Die Gesamtdistanz betrug wahlweise 100 oder 120 km. In drei Etappen ging es durch die Wüste der kanarischen Insel, entlang der Atlantikküste und über 2.548 hm Dünen und Berge. Die Mutter dieses Wettkampfs ist der Marathon des Sables über 240km, der in diesem Oktober zum 35. Mal in der marrokanischen Sahara ausgetragen wird.

Alle Läufer bekamen einen Tag vor dem Wettkampf ein „Road book“ und erfuhren erst so den genauen Verlauf der Strecke. Nach einer Nacht im Hotel ging es am 27. September in die Wüste, so weit die Füße tragen, laufend oder gehend, mit einer Mindestdurchschnittsgeschwindigkeit von 3,5 km/h. Das klingt machbar, ist aber angesichts von Temperaturen um die 40 Grad Celsius, Sandstürmen und den Höhenmetern sowie der Ausrüstung (10kg-Rucksack mit Schlafsack und überlebenswichtigen Tools wie Trillerpfeife, Signalspiegel, Messer, Stirnlampe, Sonnencreme, Feuerzeug und Suppenwürfel) eine echte Challenge für jeden.
Auch für Melanie, die sich auf den drei Etappen hervorragend geschlagen hat.
Hier ihre Specs:

• Etappe 1: 31,8km (925hm) 5h36
• Etappe 2: 40,9km (915hm) 8h18
• Etappe 3: 24,8km (708hm) 3h38
• Insgesamt waren das 97,5 km. Wegen eines allzuheftigen Sandsturms wurde die letzte Etappe um wenige Kilometer verkürzt. Die 100km hat Melanie trotzdem vollgemacht, da nach der ersten Etappe noch ein 2,6km-Marsch zum Bivouac wartete.

Premium-Campen auf den Kanaren.

Das Bivouac sind Gruppen von je sechs Zelten, in denen die Teilnehmer unterm Sternenhimmel übernachten. Vor der letzten Etappe müssen die Zelte von den Teilnehmern abgebaut werden. Beim Bivouac gibt es Toiletten und einen medizinischen Service, der für viele geschundene Füße Gold wert ist. Auf Duschen muss man in der Wüste verständlicherweise verzichten. Auf jeder Etappe steht jedem Läufer alle 10 km und am Etappenfinish je 5l des lebensnotwendigen Nasses zur Verfügung. Das muss für Hygiene, Kochen und Verpflegung reichen. Nach zwei Lauftagen wartet ein Recoverytag mit Yoga und einem Truck voll eiskalter Cola.


Zur Verpflegung während und nach den Läufen hatte Melanie Kohlenhydratgetränkepulver, Riegel, Gels und gefriergetrocknetes Essen dabei, und als kulinarisches Highlight für unterwegs eine Packung M&Ms und eine Mini-Tüte Gummibärchen.


Trotzdem ist Melanie vom Drumherum des Wettkampfs nachhaltig angetan: „Die Organisation der gesamten Woche war perfekt. Ich habe noch nie einen so professionellen Veranstalter wie die französische WAA (What an Adventure) gesehen. Jeder Tag war gut geplant. Jeder der „blauen Westen“ (Helfer) fühlte sich für die Läufer persönlich verantwortlich. Man wurde nie weiter verwiesen. Statt den Weg zum Technical Check nur zu beschreiben, wurde ich hingeführt. Nach dem Lauf erwartete uns eine Glückwunschkarte im Hotel mit den Details zum weiteren Ablauf der Reise. Die Siegerehrung und das Gala Dinner waren TOP. Und das offizielle Race-Video wurde uns auf einer Großleinwand nur wenige Stunden nach dem Lauf präsentiert.“

Wie war nun aber der tagelange Ultralauf im Backofen von Fuerteventura für unsere gelernte Schwimmerin?
Nichts kann es besser beschreiben als Melanies emotionaler Rennbericht, den sie noch auf dem Rückflug zu Papier gebracht hat. Wer da keine Lust bekommt, zumindest über ein Lauftraining mit dem Ziel 100 km durch die Wüste in drei Etappen nachzudenken …

„Ich sitze auf meinem Rückflug und höre die Musik des Race-Videos. Ich sehe etwas Sand auf meiner Wasserflasche und meine Zehen schmerzen immer noch ein wenig. Kleine Souvenirs von einem traumhaften Abenteuer. Das Lied von Tom Rosenthal „Middle of my mind“ läuft … „You were in the sand dancing forever, I was there with you somehow …“ und mir laufen fast die Tränen übers Gesicht. So viele Emotionen kommen hoch. Diese Tage in der Wüste waren voll von purem Leben – voll von Freude und Glück, von Schmerz und Beharrlichkeit, von Einfachheit und Improvisation, von Freundschaft und dem Hunger nach der Erfahrung eines ganzen Lebens. Wie kann ich das beschreiben?
… die mentale Herausforderung, wenn man 35 km auf den Beinen war und noch 5 km vor sich hat. Du denkst, „normalerweise“ bin ich in 30 Minuten fertig, aber dann merkst du, dass du in der Wüste mit der brennenden Sonne mehr als 1 Stunde dafür brauchst.
… das Leben im Bivouac während des zweitägigen Sandsturms, in dem man nachts kaum Schlaf bekommt und in dem es fast unmöglich ist, heißes Wasser zu kochen. Am Ende isst man kaltes und sandiges Essen.
… wenn man vier Tage lang ein Dixie-Klo mit 800 Läufern benutzen muss.
… wenn man versucht, sich die Haare zu bürsten, es aber vor lauter Sand und Schmutz nicht schafft. Oder wenn du deine Kleidung in einer leeren Wasserflasche mit etwas Seife „wäschst“.
… der fantastische Geschmack einer kalten Cola, wenn man vorher nur kaltes Essen und warmes Wasser zu trinken hatte.
… die tanzenden Läufer im Dunkeln mit Stirnlampen, großen Rucksäcken und schmerzenden Körpern um 6 Uhr morgens vor der Startlinie der letzten Etappe.
… die tiefe Freundschaft zu meinen Bivouac-Partnern – den German Dusteater – die sich in der Wüste entwickelt hat, und die Kameradschaft aller Läufer, die während des Rennens durchhalten und leiden.
… wie es sich anfühlt, die komplette letzte Etappe mit schmerzenden Füßen zu laufen, nur weil das Laufen einen schneller ins Ziel bringt als Gehen.

Und wie kann ich beschreiben, wie all diese Erinnerungen und Emotionen in einem hochkommen, wenn man schließlich mit Freudentränen in den Augen die Ziellinie überquert und sein Mann dort auf einen wartet.

Ich schaue im Flugzeug auf die Weltkarte und sehe die sandigen Landschaften. Vielleicht gibt es noch mehr Wüsten zu erobern. Vielleicht „irgendwie irgendwo“ …“